
Ist Keyword-Recherche 2026 wirklich anders als in den Vorjahren? Ja – und zwar deutlich. Suchergebnisse verschieben sich schneller denn je, LLMs wie ChatGPT, Gemini und Perplexity zitieren eigene Quellen, und Video sowie Social-Content tauchen mitten in den klassischen SERPs auf. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie 2026 zum Keyword-Research-Profi werden – ohne wichtige Chancen zu verpassen.
Wichtig
Kurz gesagt: Moderne Keyword-Recherche endet nicht bei Suchvolumen und Keyword-Listen. Sie umfasst die Analyse von SERP-Veränderungen, Video- und Social-Chancen ausserhalb der eigenen Website, minimale Content-Anforderungen, Themencluster und Query-Fan-outs, kommerzielle und informationale Inhalte – und vor allem die Google Search Console als stärkste Datenquelle.
1. SERP-Veränderungen analysieren
Der wichtigste erste Schritt: Wie verschieben Suchmaschinen und LLMs die Gewichtung von Suchanfragen, Seitenpräferenzen und Ergebnistypen über die Zeit? Schauen Sie sich zuerst die Live-Suchergebnisse für ein Keyword an und nutzen Sie zusätzlich ein Tool wie Ahrefs, um zu sehen, wie sich die SERP zu diesem Keyword entwickelt hat.
Beispiel «Oversized T-Shirt»: Vor zwei Jahren dominierten fast nur kommerzielle Ergebnisse (Produkte, Kollektions- und Produktseiten). Heute ist das zwar weiterhin die Präferenz – aber es erscheinen zusätzlich YouTube-Ergebnisse, Short-Form-Videos, Ratgeber und sogar Reddit-Threads in den «klassischen» SERPs. Und das, ohne zu berücksichtigen, was LLMs bevorzugt als Quelle zitieren.
Die Konsequenz für Ihre Recherche und Content-Planung: Nehmen Sie den Content-Typ nicht als gegeben an. Wer die SERP-Verschiebungen nicht laufend prüft, verpasst Chancen bei Video- und Informationsinhalten. Sehen Sie hingegen, dass sich die SERPs für Ihre Ziel-Keywords verschieben, können Sie richtig planen – und vermeiden doppelte Arbeit oder Investitionen in Content, der nicht zur aktuellen SERP passt.
2. Content-Chancen ausserhalb der eigenen Website
Keyword-Targeting endet 2026 nicht an der eigenen Domain. Wenn YouTube Reddit als Zitationsquelle überholt, ist klar: Ihre bestehende Keyword-Recherche lässt sich auf Video-Chancen ausweiten – als Teil einer breiteren organischen Markensichtbarkeit. Konkret so einfach:
- Ziel-Keyword bzw. -Cluster recherchieren
- Kurze und Long-Tail-Varianten eines Clusters betrachten
- Prüfen, wie Videos auslösen: im Video-Segment der SERP, im Tab «Videos» und im Tab «Short Videos» (und von welchen Plattformen)
- Durchschnittliche View-Counts auf YouTube, TikTok und Instagram für Ihre Ziel-Keywords ansehen
So wissen Sie bei der Titel- und Briefing-Erstellung sofort, ob Video-Chancen bestehen, die sichtbar bevorzugt werden. Und denken Sie – zurück zu Punkt 1 – nicht, dass Videos nur für informationale Keywords erscheinen. Auch auf kommerzieller Ebene gibt es viel Potenzial, Video in Ihre Content-Prozesse zu integrieren.
3. Minimale Content-Anforderungen
Ein einfacher, aber massiv unterschätzter Punkt: Schauen Sie, welche Content-Typen Ihre Wettbewerber haben, um die minimal nötigen Inhalte für Ihre Website zu verstehen. Nicht die Anzahl Artikel – sondern die Typen, die Suchmaschinen, LLMs und Nutzer sehen wollen, um Sie als legitim einzustufen.
Beispiel lokale Reinigungsfirma – was erwarten Suche, LLMs und Nutzer im Durchschnitt der Wettbewerber?
- Transparente Preisseite
- Case Studies / Referenzen
- Bewertungen
- AGB & Datenschutz
- Klare Kontaktseite
- Seiten zu abgedeckten Standorten (weil die Suche in dieser Branche stark lokal ist)
Das ist Phase eins: die nötigen Content-Typen verstehen, bevor Sie den eigentlichen Content-Plan aus Ihren Keyword-Daten ableiten. So merken Sie nicht erst am Ende, dass etwas fehlt oder der falsche Content-Typ entstanden ist.
4. Themencluster & Query-Fan-outs
Sie wollen ein Thema (a) tief genug abdecken, um Expertise zu zeigen, (b) echten Mehrwert bieten und (c) Inhalte haben, die einem logischen Query-Fan-out für LLMs folgen – der zugleich abbildet, wie Ihre Zielgruppe sucht. Das setzt ein solides Verständnis der Zielgruppe voraus, bevor Sie Daten abrufen.
Teilen Sie die Suchanfragen in Pre- und Post-Purchase auf. Beispiel Oversized T-Shirts:
- Pre-Purchase: «Beste Oversized-T-Shirt-Marken», «Wie viel grösser sind Oversized-T-Shirts als normale Grössen?»
- Post-Purchase: «Wie wäscht man Oversized-T-Shirts?», «Wie repariert man Löcher in Oversized-T-Shirts?»
So begleiten Sie Ihre Zielgruppe in verschiedenen Phasen der Recherche- und Kaufreise, erstellen Content passend zu den tatsächlichen SERP-Veränderungen und treffen mögliche Query-Fan-outs. Für «Beste Oversized-T-Shirt-Marken» in einem LLM könnten Sie z. B. die Geschichte der Marken und ihrer Oversized-Ranges, Versus-Guides sowie Celebrity- und Event-Artikel abdecken, für die LLMs aktuelle Daten suchen. Wenn Sie wissen, dass Ihre Zielgruppe so sucht und der Inhalt wertvoll ist, lohnt er sich – unabhängig vom geschätzten Volumen, weil er echt nützlich ist und als Teil des Fan-outs zitiert werden kann.
5. Kommerzielle Inhalte
Hier geht es um kommerzielle Content-Lücken (mit Ahrefs oder Semrush visuell aufspüren) und darum, bestehende Seiten mit Keyword-Recherche zu stärken. Fragen Sie: Ist der Content auf Ihren Kollektions- und Kategorieseiten unteroptimiert? Haben wichtige kommerzielle Seiten überhaupt Text? Werden Content-Chancen durch Filter in der robots.txt blockiert – und verpassen Sie so das Volumen mittel- und langtailiger Suchen?
Nutzen Sie ausserdem Ihre internen Daten, um kommerzielle Chancen zu begründen: die interne Suche (z. B. GA4 oder bei Shopify die «Search & Discovery»-App). Es gibt kein klareres Signal für nötigen Content, als dieselben Suchanfragen intern von Ihrer Zielgruppe zu sehen – ohne dass Sie eine passende Seite haben. Dann zählt kein Suchvolumen mehr: Die Intention ist bereits da.
6. Informationale Inhalte
Wie beim kommerziellen Content gilt: Trennen Sie zwischen fehlenden Inhalten und der Optimierung bestehender. Bei SEO-Audits stossen wir immer wieder auf veralteten oder unpassenden Content. Achten Sie bei der Recherche auf:
- Echte Artikel-Lücken gegenüber Wettbewerbern
- Video-Aktivität der Wettbewerber und deren Bezug zu YouTube-SEO und LLM-Sichtbarkeit
- Veralteten Content mit reichlich Search-Console-Daten für Updates
- Content mit Jahreszahl in der URL und mehreren Jahres-Versionen (zu einer grossen Evergreen-Ressource zusammenführen – Jahreszahl aus der URL raus!)
- Dünnen, irrelevanten oder nicht mehr zum Unternehmen passenden Content (entfernen)
- Content, der 404 gibt und entweder wiederhergestellt oder auf eine Alternative weitergeleitet werden muss
Chancen bestehen also bei neuem UND bestehendem Content – oft sehen Sie schnellere Erfolge, wenn Sie vorhandene Inhalte aktualisieren, statt nur ein monatliches Publishing-Ziel zu erfüllen.
7. Google Search Console nutzen
Der letzte und einer der stärksten Punkte: die Google Search Console für die Keyword-Recherche. Sie liefert Chancen, die Drittanbieter-Tools schlicht nicht kennen. Gezielt einsetzen für:
- Anfragen mit hohen Impressionen, kaum Klicks und einer SERP-Veränderung (bei manueller Prüfung): Signal für neuen Content, weil nicht mehr dieselben Artikel ranken
- Anfragen mit hohen Impressionen und wenig Klicks, deren SERP gleich bleibt: bestehenden Content ergänzen und für die verpassten Anfragen optimieren
- Filter für gezielte FAQ-Chancen – die Daten kommen direkt von Google, nicht aus geschätzten Volumina
Wie Sie ein Keyword gewichten
Nicht jedes Keyword hat für Ihre Website denselben Wert. Sobald Sie genug Daten gesammelt haben (Suchvolumen, Wettbewerb, Klickdaten), lässt sich jedes Keyword entlang von fünf Dimensionen bewerten und priorisieren:
- Schwierigkeit: Wie stark ist der Wettbewerb? Je höher die Konkurrenz und die Autorität der rankenden Seiten, desto aufwändiger die Platzierung.
- Wachstumsrate: Ist der Trend steigend, stabil oder rückläufig (z. B. via Google Trends)? Aufsteigende Themen lohnen sich früh.
- Relativer Wert: Wie gut passt das Keyword zu Ihrem Angebot und Ihrer Zielgruppe? Ein spezifischer Begriff mit klarer Kaufabsicht ist oft wertvoller als ein volumenstarker, aber vager.
- Rendite: Was ist ein Besucher über dieses Keyword wert? Über CPC und Conversion-Rate lässt sich der Ertrag pro Klick abschätzen.
- Potenzial: Wie gross ist das realistische Wachstumspotenzial – heute und in den nächsten Monaten?
Erst diese Gewichtung zeigt, welche Keywords Sie wählen sollten, welche Inhalte funktionieren und wo das grösste Wachstumspotenzial liegt.
Short-Tail vs. Long-Tail Keywords
Keywords lassen sich grob in zwei Gruppen teilen:
- Short-Tail (Kopf): ein bis zwei Wörter, hohes Suchvolumen, starker Wettbewerb, breite und oft unklare Absicht – z. B. «Schuhe». Siehe Short-Tail Keywords.
- Long-Tail (Schwanz): drei oder mehr Wörter, geringeres Volumen, weniger Wettbewerb, sehr spezifische Absicht – z. B. «rote Laufschuhe Damen Grösse 39». Sie konvertieren oft besser, weil die Kaufabsicht klarer ist.
Ein Beispiel: So kann eine Long-Tail-Keyword-Recherche zum Thema «SEO Agentur» aussehen. Statt nur auf den umkämpften Kopfbegriff «SEO Agentur» zu setzen, sammeln Sie spezifische Varianten und bewerten jede nach Suchvolumen, Suchintention, Wettbewerb, CPC und Priorität. So erkennen Sie auf einen Blick, welche kaufnahen Long-Tail-Keywords sich mit realistischem Aufwand besetzen lassen.

Die besten Tools für die Keyword-Recherche
Ein einzelnes Tool deckt nie das gesamte Keyword-Universum ab – kombinieren Sie mehrere Quellen:
- Google Keyword-Planer & Google Trends: Volumen-Grössenordnungen und Trendverläufe direkt von Google.
- Google Search Console: echte Anfragen, für die Sie bereits Impressionen erhalten (siehe Schritt 7).
- Moz Keyword Explorer: Keyword-Vorschläge samt Difficulty- und Prioritäts-Score.
- Ahrefs & Semrush: Keyword-Ideen, Wettbewerbs- und Content-Gap-Analysen sowie SERP-Historie.
- AnswerThePublic & «Nutzer fragen auch»: Fragen und Formulierungen echter Nutzer – ideal für FAQ- und Ratgeber-Content.
Lokale Keyword-Recherche
Wer lokal Kunden gewinnt, braucht lokale Keywords. Ergänzen Sie Ihre Begriffe um Geo-Modifikatoren – Stadt, Region oder «in meiner Nähe» – denn viele Suchen sind stark lokal geprägt («Zahnarzt Zürich», «Garage in der Nähe»).
- Ort- und Regionsnamen sowie «in der Nähe»-Varianten sammeln.
- Google Business Profil optimieren und lokale Suchbegriffe in Titel, Texten und FAQ verwenden.
- Eigene Landingpages für abgedeckte Standorte erstellen.
Keywords der Konkurrenz angehen
Ihre Wettbewerber sind eine der besten Keyword-Quellen. Über eine Content-Gap-Analyse (z. B. mit Ahrefs oder Semrush) finden Sie Begriffe, für die Konkurrenten ranken, Sie aber noch nicht – und decken so übersehene Chancen auf.
- Identifizieren Sie 3–5 echte Wettbewerber und analysieren Sie deren rankende Keywords.
- Filtern Sie nach Begriffen mit Kaufabsicht, für die Sie noch keine (oder eine schwache) Seite haben.
- Priorisieren Sie Keywords, bei denen die Konkurrenz nur mittelmässig rankt – dort ist der Aufstieg realistischer.
Social Media für die Keyword-Recherche nutzen
Keyword-Recherche endet nicht bei Google. Social-Plattformen zeigen, wie Ihre Zielgruppe wirklich formuliert und welche Themen gerade laufen:
- YouTube & TikTok: Suchvorschläge und trendende Themen – zunehmend auch als Quelle in AI-Antworten.
- Instagram & Pinterest: Hashtags und Suchbegriffe für visuelle und Produkt-Themen.
- Reddit & Foren: echte Fragen und Formulierungen aus Ihrer Nische.
So entdecken Sie Begriffe und Content-Winkel, die klassische Tools nicht zeigen – und erweitern Ihre Sichtbarkeit über die eigene Website hinaus (siehe Schritt 2).
5 Tipps für eine bessere Keyword-Liste
- 1. Keywords der Buying Journey zuordnen: Awareness (allgemeine «Wie …»-Fragen), Consideration (Vergleiche, «welches …») und Decision (kaufnah, «… kaufen») getrennt bespielen.
- 2. Mit einer Checkliste arbeiten: nach Thema und Conversion gruppieren, Long-Tail-Varianten ergänzen, Markenbegriffe, interne Suchdaten (GA4) und Geo-Modifikatoren einbeziehen.
- 3. Mobile-Keywords beachten: mobile Formulierungen und «in der Nähe»-Suchen unterscheiden sich von Desktop.
- 4. Ein Keyword-Audit durchführen: bestehende Rankings prüfen, verborgene «Goldminen» reaktivieren – z. B. über eine SEO-Analyse.
- 5. Trends im Auge behalten: aufkommende Themen früh besetzen, die Liste regelmässig bereinigen und die Sprachsuche (ganze Fragen statt Stichworte) berücksichtigen.
Sind Top-of-Funnel-Keywords 2026 noch sinnvoll?
Ja – Top-of-Funnel-Keywords (ToF) sind 2026 absolut noch sinnvoll. Ihre Rolle hat sich aber verschoben: weg vom direkten, sofortigen Verkauf, hin zum Aufbau von Markenautorität, zur organischen Sichtbarkeit in AI Overviews und zum «Befüllen» des gesamten Marketing-Funnels.
Ihr aktueller Wert und ihre Rolle:
- AI- und Answer-Engines «trainieren»: Generative Suche schickt nicht nur Klicks, sie synthetisiert Informationen. Wer für ToF-Themen rankt, positioniert die Marke als primäre Informationsquelle – und wird für früh recherchierende Nutzer kontextuell sichtbar.
- Topical Authority aufbauen: Suchmaschinen bevorzugen Websites, die ein Thema umfassend abdecken. Hochwertige ToF-Inhalte (Ultimate Guides, «Was ist …»-Artikel) verdienen Backlinks, die die Autorität und Ranking-Kraft der ganzen Domain heben – und später das Ranking für kompetitive, umsatzstarke Begriffe erleichtern.
- Der «Loss Leader» des Contents: Diese Keywords haben hohes Volumen, aber niedrige Sofort-Conversion. Sie wirken als Top-of-Funnel-Filter, bringen Zielgruppen in Ihr Ökosystem – und Sie führen sie per interner Verlinkung zum Produkt.
Wann ToF-Keywords am besten funktionieren
- Sie sind ein etabliertes Unternehmen und wollen Awareness über eine begrenzte, enge Käufer-Zielgruppe hinaus skalieren.
- Sie bauen eine Content-Cluster-Strategie, bei der informationale ToF-Seiten direkt auf Ihre kaufstarken Bottom-of-Funnel-Seiten (BoFU, Produkt/Dienstleistung) verlinken.
Wann Sie sie überspringen sollten
- Sie haben ein sehr begrenztes Budget und suchen strikt sofortigen, positiven ROI innerhalb von 30–60 Tagen.
- Ihre transaktionalen Bottom-of-Funnel-Begriffe sind noch nicht optimiert – dann sollten rund 80 % von SEO- und PPC-Budget zuerst in kaufstarke Begriffe fliessen.
In der Praxis ist es eine Frage der Balance: Geschäftsmodell und Reifegrad der Website entscheiden, wie viel ToF-Arbeit sinnvoll ist – und wann zuerst die Conversion-nahen Kampagnen stehen müssen.
Fazit
Keyword-Recherche 2026 zeigt vor allem, wie viel Chance im Thema steckt – und dass sie genauso zu Ihren bestehenden Inhalten gehört wie zu komplett neuem Content. Sie endet nicht an Ihrer Website: Mit dem Potenzial über YouTube und Social innerhalb der SERPs war der Moment nie besser, die Recherche breiter aufzustellen.

CEO, MIK Group
Maxi Maxhuni ist CEO der MIK Group und Experte für Suchmaschinenoptimierung und digitale Wachstumsstrategien. Mit über 10 Jahren Erfahrung im Online-Marketing hilft er Schweizer KMU, ihre digitale Sichtbarkeit nachhaltig zu steigern.


