
Jahrelang galt ein Unternehmensblog als essenzieller Bestandteil des Marketings. Die Strategie war simpel: Inhalte produzieren, organischen Traffic generieren, Leads gewinnen und sich als Thought Leader positionieren.
Doch dieses Modell funktioniert nicht mehr. Die Blogs vieler grosser B2B-SaaS-Unternehmen stagnieren oder verlieren sogar an Reichweite. Daten von Semrush zeigen einen deutlichen Trend: Die grossen Unternehmensblogs sterben aus.
Ein Blick auf bekannte Unternehmensblogs
- HubSpot: Millionen von Besuchern, aber die Zahlen für 2025 erreichen neue Tiefstwerte. Laut Kieran Flanagan (VP Marketing @ HubSpot) ist das jedoch gewollt: HubSpot setzt verstärkt auf Influencer-Marketing (z. B. The Hustle, Podcasts, YouTube), entfernt ineffektive Blogseiten und passt seine SEO-Strategie an.
- Salesforce: Stagnation
- Gong: Trotz erfolgreicher Thought-Leadership-Strategie kommt der Blog nur noch auf 10.000 Besuche monatlich.
- Intercom: Seit Jahren im Abwärtstrend, aktuell ca. 25.000 Besuche monatlich.
- Miro: Mit 50.000 monatlichen Besuchern mehr als Intercom und Gong zusammen, aber ohne Wachstum.
- Atlassian: Positiver Ausreisser mit <400.000 Besuchen pro Monat, zeigt als einziger Blog Wachstum.
Warum verlieren Unternehmensblogs an Relevanz?
1. Die Veränderung der Google-Suche
Google setzt zunehmend auf Werbeeinnahmen und manipuliert Suchergebnisse zugunsten bezahlter Anzeigen. Zudem verdrängen sogenannte «No-Click-Suchen» klassische Suchergebnisse und verringern den organischen Traffic für Unternehmensblogs.
2. Der Aufstieg der «Private Web»
Experten verlagern ihre Inhalte in exklusive Kanäle wie Substack, Newsletter, Discord oder Slack. Die öffentliche Weblandschaft wird zunehmend von KI-generierten Inhalten dominiert, während wertvolle Analysen und Einblicke hinter Paywalls verschwinden.
3. Menschen vertrauen Menschen, nicht Unternehmen
Das Vertrauen in grosse Unternehmen ist auf einem Tiefpunkt. Unternehmensinhalte wirken oft generisch und vorsichtig formuliert. Stattdessen gewinnen Persönlichkeiten – Gründer, Mitarbeiter, unabhängige Experten – an Einfluss und Reichweite.
Was funktioniert stattdessen?
1. Creator Economy nutzen
Unternehmen sollten in bereits etablierte Content-Kanäle investieren: Kooperationen mit Influencern, Sponsoring von Newslettern und Podcasts oder bezahlte Erwähnungen in Social-Media-Posts. So erreicht man relevante Zielgruppen effektiver.
2. Alternative organische Kanäle erschliessen
YouTube, Podcasts und Online-Communities bieten weit mehr Engagement als klassische Blogs. Wer nicht in diese Kanäle investiert, verpasst enorme Wachstumschancen.
3. Hochwertige Inhalte statt Masse
Statt auf generische Blogposts sollten Unternehmen in folgende Content-Formate investieren:
- Produktdokumentationen & Knowledge Bases: Hochwertige Anleitungen und Hilfestellungen bleiben essenziell.
- Landing-Pages & Case Studies: Inhalte, die bei der Entscheidungsfindung unterstützen.
- User-Generated Content (UGC): Inhalte von echten Nutzern sind besonders authentisch und fördern das Wachstum organisch.
Fazit: Lohnt sich ein Unternehmensblog noch?
Unternehmensblogs verschwinden nicht sofort, aber ihre Relevanz schwindet. Die alte SEO-Strategie allein reicht nicht mehr aus. Unternehmen müssen prüfen, ob ihr Blog noch ein Wachstumsmotor ist oder nur aus Gewohnheit weitergeführt wird. Erfolgreiche Marken passen sich an und setzen auf Inhalte, die für die heutige Internetlandschaft optimiert sind – nicht die von vor zehn Jahren.

CEO, MIK Group
Maxi Maxhuni ist CEO der MIK Group und Experte für Suchmaschinenoptimierung und digitale Wachstumsstrategien. Mit über 10 Jahren Erfahrung im Online-Marketing hilft er Schweizer KMU, ihre digitale Sichtbarkeit nachhaltig zu steigern.